(Frequently Asked Questions für Segelflug-Anfänger in Unterwössen)
von Matthias Schündehütte
Ja selbstverständlich! Das Mindestalter beträgt 14 Jahre, nach oben gibt es eigentlich keine Grenze. Es gibt durchaus auch Segelflugpiloten, die erst mit 60 Jahren oder gar darüber die Ausbildung begonnen haben.
Segelfliegen ist gefährlich, ebenso wie viele andere Dinge, die für die meisten Leute zum ganz normalen Alltag gehören. Statistisch ist es zum Beispiel etwa ganz gut vergleichbar mit dem Bergsteigen - ein für eine Alpensegelflugschule ja ganz naheliegender Maßstab.
Das Risiko beim Segelfliegen liegt aber weitestgehend in der Hand des Piloten selbst. Ein Segelflugzeug kann kaum kaputt gehen. Es besitzt keinen Motor, der ausfallen könnte. Es fliegt aufgrund seiner Formgebung und ist somit nicht abhängig vom Funktionieren einer speziellen Technik, wie das bei einem Motorflugzeug oder noch mehr bei einem Hubschrauber der Fall ist. Ein Segelflugzeugpilot muß sich nicht einer bestimmten Technik anvertrauen, er fliegt aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten.
In der Segelflugausbildung fliegt der Schüler immer zusammen mit einem erfahrenen Fluglehrer in einer doppelsitzigen Maschine, solange bis er das Flugzeug selber sicher bewegen kann. Auch während den nachfolgenden Ausbildungsschritten befindet sich der Flugschüler immer unter der Aufsicht seines Fluglehrers und wird niemals in Situationen kommen, die er nicht beherrschen kann, solange er nicht grob gegen die Anweisungen handelt. Daher sind Unfälle während der Ausbildung außerordentlich selten.
Wie bereits angesprochen beträgt das Mindestalter 14 Jahre. Zusätzlich muß ein medizinisches Flugtauglichkeitszeugnis vorliegen, welches von einem Fliegerarzt ausgestellt wird. Dieses Zeugnis wird zwar erst für den ersten Alleinflug benötigt, sollte aber besser gleich zu Beginn der Ausbildung eingeholt werden, um nicht unter Umständen eine böse Überraschung zu erleben.
Für die Prüfung muß man dann mindestens 16 Jahre alt sein, man muß die praktische und theoretische Ausbildung abgeschlossen haben und ein Flugfunkzeugnis erworben haben. Für die Prüfungsanmeldung benötigt man noch ein polizeilichen Führungszeugnis sowie einen Auszug aus dem Flensburger Verkehrszentralregister. Man muß aber etwa nicht Mitglied in einem DAeC-Verein sein.
Die Kosten hängen sehr stark vom persönlichen Schulungsverlauf ab. Es lassen sich aber ein paar Erfahrungswerte nennen:
Bis zum ersten Alleinflug: 600 - 900 Euro
Gesamtausbildungskosten (meist über mehrere Jahre): Ab 2500 Euro
Je nach persönlichem Einsatz etwa zwei bis drei Jahre. Das heißt nicht, daß es nicht auch in einem Jahr möglich wäre, aber die überwiegende Mehrzahl aller Segelflugausbildungen verlaufen in etwa in diesem Rahmen.
Das mag erst einmal etwas abschreckend wirken, in Wahrheit fängt der Spaß aber bereits nach dem ersten Alleinflug richtig an. Man fliegt selbstständig, kann nach Thermik suchen und nach einiger Zeit auch am Hang (fast) beliebig lange in der Luft bleiben. Die Beschränkung auf den Platzbereich fällt in dieser Phase überhaupt nicht in's Gewicht. Aus diesem Grund lassen sich manche Schüler auch manchmal deutlich mehr Zeit als die oben angesprochenen zwei bis drei Jahre...
Wenn man es sich aussuchen kann, dann ist der Spätsommer oder Herbst die ideale Ausbildungszeit. Es stellen sich meist stabile Hochdrucklagen ein, die Luft ist ruhig und auch der Betrieb am Platz ist lange nicht mehr so stark wie in den Frühjahrsmonaten oder während der Sommerferien.
Nein, ganz im Gegenteil! Es wird geflogen, geflogen, geflogen! Die anfangs erforderliche Theorie wird während der Flugausbildung vermittelt.
Die weiterführende Theorie ist sicherlich ein Brocken, muß aber erst abgelegt sein, wenn gegen Ende der Ausbildung der 50-km-Flug anliegt. Hierzu werden von der Segelflugschule Kurse angeboten.
Zuerst wird der Flugschüler mit einem Motorsegler über den Chiemsee geflogen, um einen ersten Eindruck vom Fliegen zu vermitteln und auch zu sehen, ob der Flugschüler schon ein gewisses Gefühl am Knüppel hat
Danach geht's dann auch gleich los, wenn es das Wetter zuläßt mit bis zu 8 Starts pro Tag.
Der Tag beginnt mit dem Ausräumen der Halle und dem allmorgendlichen Check der Schulungsdoppelsitzer. Danach beginnt der Schulungsbetrieb. Wenn es die Situation erlaubt, teilen sich zwei Schüler einen Lehrer und ein Flugzeug. Das heißt, ein Schüler fliegt, der andere fährt den Elektrokarren zum Rückholen des Flugzeugs nach der Landung. Nach vier Starts werden die Rollen vertauscht und der andere Schüler bekommt den begehrten Platz im Cockpit.
Der Flugtag wird beendet mit dem Waschen der Flugzeuge und dem Einräumen in die Halle. Danach verbleibt noch reichlich Zeit, um das Erlebte mit den Mitschülern zu diskutieren oder auch mit anderen Segelfliegern am Platz in's Gespräch zu kommen.
Kurz gesagt: Sehr angenehm und locker. Man muß keine Angst vor strengem Drill oder dergleichen haben, viele Leute verbringen ihren Urlaub am Platz und das wirkt sich auch direkt auf die Stimmung aus.
Das heißt aber nicht, daß irgendwelche Zugeständnisse an die Sicherheit gemacht werden. Disziplin bezüglich der Regeln des Flugbetriebes sind eine ganz wesentliche Basis der Flugsicherheit und hier gibt es keine Nachlässigkeit.