{"id":1162,"date":"2012-04-16T11:45:41","date_gmt":"2012-04-16T09:45:41","guid":{"rendered":"http:\/\/ww2.alpenflugzentrum.de\/wordpress\/?page_id=1162"},"modified":"2012-04-16T11:48:46","modified_gmt":"2012-04-16T09:48:46","slug":"das-zell-gerlos-projekt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.alpenflugzentrum.de\/wordpress\/?page_id=1162","title":{"rendered":"Das Zell-Gerlos-Projekt"},"content":{"rendered":"<p><em>von Matthias Sch\u00fcndeh\u00fctte<\/em><\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"320\" \/><\/div>\n<p>Ich hatte f\u00fcr dieses Jahr (2003) das \u201eZell-Gerlos-Projekt\u201c ausgerufen, ein 160km Dreieck Unterw\u00f6ssen &#8211; Zell am See &#8211; Gerlos Stausee, um nun endlich mal meinen \u201eFreischwimmer\u201c zu machen und den Gleitwinkelbereich des Heimatplatzes unwiderruflich zu verlassen. Den Winter \u00fcber hatte ich Karten studiert, Gleitbereichskreise um Flugpl\u00e4tze und Au\u00dfenlandewiesen gezeichnet und mich halt so gut ich konnte auf einen solchen Flug vorbereitet.<\/p>\n<p>Fliegen wollte ich das Dreieck am liebsten mit der PW5 oder aber dem Standard Cirrus, meinen beiden Lieblingsflugzeugen an der DASSU. Den Cirrus konnte ich gleich vergessen, er war f\u00fcr den Streckenfluglehrgang reserviert, aber &#8218;mein&#8216; PWchen stand wie \u00fcblich in der Halle und wurde von niemandem auch nur eines Blickes gew\u00fcrdigt.<br \/>\nNur leider nicht am 24.Mai, dem Tag meiner ersten Chance. So mu\u00dfte ich auf einen Astir CS (Rundnasenrumpf) ausweichen, den ich bis dato erst einmal vor zwei Jahren in einer Platzrunde geflogen hatte\u2026 aber egal.<\/p>\n<p>Vormittags bin ich leider wieder \u201e&#8217;runtergefallen\u201c. Es ging wirklich nur sehr m\u00e4\u00dfig, auch die Streckenflieger haben bis zu 2 Stunden in unmittelbarer Platzumgebung herumgebastelt, bevor sie wegkamen. Aber nach der Mittagspause (keine F-Schlepps zwischen 12:30 und 15:00 wg. L\u00e4rmschutz) ging es dann sehr gut bei einer Basish\u00f6he von 3200 MSL. Ich hab mich dann auch artig auf den Weg gemacht, aber letztendlich den Absprung doch nicht geschafft. Es ist schon erstaunlich, was mir so im Kopf herumging, als ich mich zum ersten Mal anschickte, diese imagin\u00e4re Gleitwinkelgrenze zum Platz zu \u00fcberschreiten. Es war mittlerweile 16:30 Uhr lokal und \u201eWie lange geht&#8217;s wohl noch?\u201c war die erste Frage, die mir in den Sinn kam. Zwar gibt es f\u00fcr meine geplante Tour reichlich Flugpl\u00e4tze unterwegs und auch noch einige (dokumentierte) Au\u00dfenlandewiesen, aber in dem Festfrequenzfunkger\u00e4t des Astir war keine der Platzfrequenzen installiert &#8211; ein Skandal meines Erachtens. Diese drei, vier Flugplatzfrequenzen (Zell, St. Johann und Kufstein, evtl. noch Innsbruck) m\u00fcssen einfach in einem streckenflugtauglichen Flugzeug installiert sein! Ja, und so bin ich dann halt doch wieder in der Umgebung geblieben\u2026<\/p>\n<p>Es war aber trotzdem ein Traum \u2013 in dieser H\u00f6he die Alpen bis zum Hauptkamm (Gro\u00dfglockner, Gro\u00dfvenediger) vor und unter sich liegen zu haben bei bester Sicht und sehr turbulenzarmer Atmosph\u00e4re\u2026 wunderbar! Es waren dann doch immerhin 3:35 h Flugzeit und zus\u00e4tzlich die Erkenntnis, da\u00df der Astir durchaus fliegt, zwar nicht so super-angenehm wie der Cirrus, aber auch enges Kurbeln mit 75-80 ging dank der ruhigen Thermik problemlos. Und schicken kann man den Astir, 130 km\/h waren ohne besondere Sinkraten locker drin &#8211; ganz im Gegensatz zur PW5, die ganz K6-m\u00e4\u00dfig bei diesen Geschwindigkeiten schon m\u00e4chtig zu Boden geht.<\/p>\n<p>Hinterher habe ich mir dann doch Vorw\u00fcrfe gemacht; es ging nat\u00fcrlich noch locker bis 18:00 und ich w\u00e4re bequemst zumindest bis Zell am See und wieder zur\u00fcck gekommen. \u201eJa\u201c, dachte ich, \u201edas war jetzt Deine Chance f\u00fcr dieses Jahr gewesen\u2026\u201c. Die folgenden drei Tage waren dann auch wieder wolkenverhangen und gerade eben so f\u00fcr Schulung und Platzrundenbetrieb geeignet. Aber Himmelfahrt wurde es wieder deutlich besser und dann Freitag (30. Mai, vorletzter Urlaubstag) war der Tag des Herrn\u2026<\/p>\n<p>Diesmal sa\u00df ich in der PW5, hatte ein vern\u00fcnftiges Funkger\u00e4t und war Zweiter am F-Schlepp. Dieser fr\u00fche Start bereitete mir zwar einige Probleme, da die Thermik ja noch nicht voll entwickelt und die Basish\u00f6he so an der unteren Grenze dessen war, was einem Anf\u00e4nger das Fortkommen erm\u00f6glicht \u2013 aber es hat schlie\u00dflich geklappt. Mein bester dortiger Freund, der Gr\u00fcnwald-Sepp, flog mit seinem neuen Ventus 2a mit und hat mir ein bi\u00dfchen H\u00e4ndchen gehalten &#8211; bei einem Tiefpunkt an der Steinplatte war das auch bitter n\u00f6tig\u2026<\/p>\n<p>Trotz dieses Tiefpunkts war aber gerade der erste Schenkel nach Zell am See f\u00fcr mich der beste: Es begann mit dem Weg vom Rechenberg zur H\u00f6rndlwand, den ich durch einen kleinen S\u00fcdschlenker \u00fcber den Hochscharten, \u00fcber dem auch eine Wolke stand, ohne H\u00f6henverlust hinbekommen habe. Das Sehen und Gelingen dieses kleinen Tricks gleich zu Anfang hat mir wichtiges Selbstvertrauen gegeben.<\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild2.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"310\" \/><\/div>\n<p>Ich war daraufhin richtig ruhig und konzentriert bei der Sache, wu\u00dfte immer genau was ich tue und wo im jeweiligen Moment gerade der n\u00e4chste Flugplatz, die n\u00e4chste Au\u00dfenlandewiese ist und dann auch sehr schnell (wenn ich unter der Wolke war), wohin ich als n\u00e4chstes fliege \u2013 ich war \u00fcber mich selbst erstaunt. Keine Spur von Bedenken oder fehlendem Mut \u2013 einfach zielstrebiges Vorgehen.<\/p>\n<p>Da der Sepp erst sp\u00e4ter hochgekommen war und auch noch einen kleinen Abstecher gen Steinernes Meer, also nach Osten, gemacht hatte, war ich auf meiner Strecke auch meistens alleine vorneweg \u2013 trotz PW5 und sehr auf H\u00f6he bedachter Flugweise, was nat\u00fcrlich zu sehr niedrigen Geschwindigkeiten f\u00fchrte. Die Truppe des Streckenfluglehrgangs, die mir am D\u00fcrnbachhorn noch die richtigen Stellen hatte zeigen k\u00f6nnen, war aber im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber alle Berge\u2026<\/p>\n<p>Meine sehr geringe Geschwindigkeit ist mir dann auf dem n\u00e4chsten Schenkel (Zell -&gt; Gerlospa\u00df, Pinzgauer Spaziergang) besonders deutlich geworden. Ich f\u00fchlte mich wirklich als fliegendes Verkehrshindernis mit meinen 85 km\/h. Aber egal, 50 km geradeaus fliegen und dabei eher noch H\u00f6he gewinnen ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Die recht hohe Verkehrsdichte dort empfand ich dabei weniger schlimm \u2013 keine kritischen &#8218;Near Misses&#8216;, was aber wohl auch daran gelegen haben mag, da\u00df ich den optimalen Weg durch die Aufwinde nicht immer gefunden habe. Aber bei einer Basish\u00f6he von 2.700m MSL wurde selbst ich etwas entspannter und auch der Taleinschnitt am Pa\u00df Thurn war deshalb nicht weiter bemerkenswert.<\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild3.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/div>\n<p>Anyway &#8211; es lief jedenfalls noch alles ganz gut, als wir uns aufmachten, den R\u00fcckweg anzutreten. Sepp in seinem Ventus war nat\u00fcrlich mittlerweile ein ganzes St\u00fcck voraus und konnte mich nur noch \u00fcber Funk beraten. Ich flog also vom Gerlos zur\u00fcck \u00fcber den Pa\u00df Thurn zum Kitzb\u00fchler Horn, immer noch weiter geradeaus. Der Pinzgau trug ja immer noch gut und da die Basis n\u00f6rdlich des Pinzgau doch sp\u00fcrbar tiefer war, mu\u00dfte ich hier anfangs den Wolken ausweichen und konnte sogar mal richtig Gas geben. Naja, so etwa 100-110 km\/h.<\/p>\n<p>Das verschleierte etwas, da\u00df ich mit meiner Konzentration mittlerweile ziemlich am Ende war &#8211; inzwischen waren gut 3 Stunden vergangen und schlie\u00dflich war es ein Flug in f\u00fcr mich v\u00f6llig neues Gel\u00e4nde mit entsprechend hoher Aufmerksamkeit. Vermutlich hab ich vor Anspannung auch zu wenig getrunken &#8211; meine 0,5l-Flasche war jedenfalls noch lange nicht leer.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrte dazu, da\u00df ich den Kaiser mit den Loferern verwechselt habe (peinlich, peinlich&#8230;) und nach Nordosten statt nach Nordwesten geflogen bin. So kam ich zwar genau an den Platz von St. Johann, aber, da ich den Talwind v\u00f6llig falsch eingesch\u00e4tzt hatte, auch ins Lee der dortigen Berge. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich dann auch meinen Bi\u00df v\u00f6llig verloren und war nicht mehr in der Lage, mich hier noch rauszubasteln \u2013 der Ehrgeiz und der Thermik-Riecher waren weg und irgendwann wurde der Platz magnetisch \u2013 ich bin in St. Johann gelandet. Nach 140 km, 20 km vor Unterw\u00f6ssen, mit sch\u00f6nsten Cummuli am Himmel.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt \u2013 ich war gar nicht so entt\u00e4uscht! Es war meine erste Landung au\u00dferhalb Unterw\u00f6ssen, mit anderer Platzh\u00f6he, mit hoffentlich einigerma\u00dfen ordentlicher Funkerei, akzeptabler Platzrunde und anst\u00e4ndiger Landung. Die R\u00fcckholung war auch kein Problem, Paul (unser neben-vielem-anderen-auch-Schlepp-Pilot) kam mit dem Motorsegler und hat mich das letzte St\u00fcck nach Hause geschleppt.<\/p>\n<p>Ja, das war mein Zell-Gerlos-Projekt. Nicht ganz 100%ig geschafft, aber meinen \u201eFreischwimmer\u201c hab ich wohl \u2013 und &#8217;ne Menge gelernt. Die Strecke bin ich nicht das letzte Mal geflogen und beim n\u00e4chsten Versuch klappt&#8217;s ja dann vieleicht auch mal ganz rum.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig f\u00fcr mich war der sehr starke Abfall der Konzentrationsf\u00e4higkeit nach etwa 3 &#8211; 3,5 h, was sich auch schon bei vorherigen Fl\u00fcgen bei mir so gezeigt hat. Ich hoffe ja, da\u00df sich das, wenn alles nicht mehr ganz so neu und aufregend ist, langsam nach hinten verschiebt.<\/p>\n<p>Jedenfalls: Schee war&#8217;s!<\/p>\n<p><em>(Anmerkung der Besserwisser von Schlechtflieger: ich habe dieses Konzentrationsloch auch regelm\u00e4ssig nach drei Stunden Flugzeit f\u00fcr etwa eine halbe Stunde \u2013 daran hat sich die letzten zwei Jahre nichts Wesentliches ge\u00e4ndert. Angeblich ist dieses Ph\u00e4nomen sogar sportphysiologisch nachgewiesen. Die Hoffnung, dass sich das Turboloch mit der Zeit nach hinten verschiebt, wird sich also m\u00f6glicherweise nicht erf\u00fcllen \u2013 wohl aber die, dass die Folgen des Durchh\u00e4ngers mit zunehmender Erfahrung besser zu meistern sind. Bis dahin hat es sich bei mir bew\u00e4hrt, viel zu trinken und ganz bewusst nach knapp drei Stunden f\u00fcr etwa eine Dreiviertelstunde einen Gang zur\u00fcckzuschalten, hoch zu bleiben und so zu vermeiden versuchen, dass eine etwas anstrengendere Situation zeitlich mit dem Konzentrations-Loch zusammenf\u00e4llt &#8211; Jan)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Matthias Sch\u00fcndeh\u00fctte Ich hatte f\u00fcr dieses Jahr (2003) das \u201eZell-Gerlos-Projekt\u201c ausgerufen, ein 160km Dreieck Unterw\u00f6ssen &#8211; Zell am See &#8211; Gerlos Stausee, um nun endlich mal meinen \u201eFreischwimmer\u201c zu machen und den Gleitwinkelbereich des Heimatplatzes unwiderruflich zu verlassen. 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