Allgäuer Segelflugwoche 2010

von Andreas Eiseler

Das Wichtigste in Schlagzeilen:

  • Wettbewerbsspielregeln kennen gelernt
  • Besuch im unteren Engadin
  • Erster Außenlandung
  • Wertung mit Erfolg

Hier aber alles der Reihe nach.

Samstag

[Anreisetag] In Unterwössen hat es die ganze Nacht geregnet. Der Himmel ist mit Wolken verhangen, aber der Wetterbericht für Sonntag und Montag verspricht den Fußgängern Sonnenschein mit kleinen Wölkchen. Also auf nach Füssen!

Dort angekommen, zeigt sich der Tegelberg mit dicken Wolken, (Foto) aber auch die Sonne blinzelt an verschiedenen Stellen schon durch. Die Wärme auf der Haut tut gut nach so viel Regen in den letzten Wochen. Gegen 16:00 Uhr sind Schüler und Fluglehrer in der Luft, aber von Streckenfliegern noch nichts in Sicht. 19:00 Uhr ist Briefing angesetzt. Für mich natürlich lauter fremde Leute. Ein warmes Abendessen verbindet uns alle am Tisch und die ersten Gespräche entstehen.

Sonntag

Für 10:00 ist das erste tägliche Briefing angesagt. Hier wird erklärt, wie die heutige Tagesaufgabe festgelegt ist, wie ein Abflug über die Startlinie funktioniert, wie gewendet wird oder wie die Ziellinie überflogen wird. Klingt alles gar nicht so schwer!

Also die Wendepunkte in den Logger eingegeben und dann freie Startaufstellung. Insgesamt sind 20 Piloten dabei, 14 in der fortgeschrittenen Gruppe und ich bei den sechs Einsteigern.

Aufgabe: Startlinie – Zernez – Wilder Kaiser – Pfronten – Ziellinie

Mir persönlich gefällt der Wendepunkt in Zernez gar nicht, da ich noch nie in der Schweiz war. Der Vorteil an dieser Aufgabe ist, dass es um den Wendepunkt einen Zylinder mit 70 km Radius gibt. Sobald man im Zylinder ist, gilt der Wendepunkt als erreicht. Diese Aufgabe kann somit mit 170 km Distanz, aber auch mit 720 km erledigt werden. Ich habe mich als Neuling für die Sparversion entschieden. Das heißt, bei meinem Angstgegner „Wendepunkt Zernez“ bin ich nur bis ans Ende des Lechtals geflogen. Das reicht für den Zylinder. Die andere Wende am Wilden Kaiser gefällt mir als Unterwössener Flieger natürlich besser. Also hier bis zum Wendelstein, dort fiel mir das erste Mal auf, dass das Steigen deutlich schlechter wird. Also ab nach Pfronten (3. Wende) und über die Ziellinie (Füssen).

Beim Heimfliegen verlor ich immer mehr die Hoffnung, da ich mit 2000 m unter dem Gleitpfad lag. Ziel: alles mitnehmen, was noch zu finden ist. Ende vom Lied: Ich bin mit 200 m über Füssen angekommen, dort habe ich am Hausbart nochmals 400 m gewonnen. Das reicht dann für die 3. Wende (Pfronten) und von da aus nur noch heimgleiten. Es müssen aber mehr als 150 m über dem Platz sein. Sonst drohen Strafpunkte.

Funkspruch: „Füssen Wettbewerb für D-7660“ – an der Stelle erfuhr ich, dass ich der letzte Pilot in der Luft war. Der Rest saß schon beim Abendessen. Meine Landung war 30 Minuten vor Sunset. Super! Ich war rumgekommen. Mein erster gelungener Wettbewerbsflug mit Platz 2 in der Einsteigerklasse. Platz 1 hat sich Jan Glöckner geholt. Natürlich der Held des Füssener Vereins.

Montag

…geht es bei tollen Thermikwerten (blau) wieder in Richtung Engadin. Ein Zylinder mit 70 km Radius hilft mir auch heute wieder. Ich habe mir von Peter (Wettbewerbsleiter) einige Tipps geben lassen, wie ich von Füssen aus am besten ins Inntal nach Imst komme. Damit habe ich es geschafft, problemlos nach Zernez zu kommen. Hier hat mir der erste Absacker wieder den Mut genommen, weiterzufliegen. Also ab in Richtung 2. Wende (Innsbruck).

Bei diesem Wettbewerb darf nicht in Kontrollzonen eingeflogen werden, auch wenn der Kontroller die Freigabe erteilt. Der Einflug ergibt in der Wertung eine virtuelle Außenlandung. In den Miemingern habe ich nochmals richtig Höhe gemacht. Der Rest ist leicht, an der Zugspitze vorbei, Pfronten, Füssen.

Der 2. Wertungsflug ohne Fehler ist in der Tasche. Immer noch Platz 2. Jan Glöckner macht auch einen wunderbaren Flug ohne Fehler und verteidigt seinen ersten Platz.

Dienstag und Mittwoch

[Aussenlandung] …bekommt die Einsteigerklasse eine Jojo-Aufgabe am Alpenrand. Der starke Westwind mit 30-50 km/h ist der Grund. Für mich bringen diese beiden Tage keine guten Wettbewerbsergebnisse. Dienstag sind es 48 km für die Wertung und am Mittwoch bin ich nach den F-Schlepp direkt abgesoffen, so schnell, dass es nicht mehr nach Füssen gereicht hat. Meine erste Außenlandung! Alles gut gegangen!

[Erich] Erich war nach mir im F-Schlepp gestartet, hatte am gleichen Hang sein Glück versucht, sich dann aber noch schneller entschlossen zu landen. Ich musste nur nachmachen, was er mir vormachte. Danke für dieses sichere Lehrbeispiel! Rückholung alles kein Problem, wir waren ja nur ca. 15 km vom Platz weg.

Für die Wertung ist das natürlich gar nicht gut. Ich werde auf Platz drei durchgereicht.

Donnerstag

Der Tag wird gestrichen. Das Wetter ist nicht zum Fliegen geeignet. Aber es tut gut, auch mal auszuschlafen und wieder Kräfte zu sammeln.

Freitag

[Feierabendstimmung] Ein ganz kleines Wetterfenster motiviert uns zur Startaufstellung. Die Aufgabe soll ins Flachland gehen, da die Alpen ganz zu sind.

Aufgabe: Startlinie – Bad Wurzach – Schwabmünchen – Pfronten – Ziellinie

Die ersten fünf Flieger gehen in die Luft, sind aber schon nach 20 Minuten wieder am Platz. Ich bin auch bei den Testpiloten. Der Tag wird neutralisiert. Somit bleibt die Platzierung unverändert. Die Aussichten für unseren letzten Wertungstag sind etwas besser.

Samstag

[Wertungstag] Das Wetter bewirkt wieder eine Aufgabe ins Flachland:

Startlinie bei Oy – Saulgau – Memmingen – Pfronten – Ziellinie

Alle Teilnehmer sind gestartet, aber die sehr geringen Steigwerte zwingen an diesem Tag recht viele Piloten zur Außenlandung oder zum Umkehren. Diesmal kommen nur zwei Teilnehmer ganz durch die Aufgabe. Für mich ändert dieser Wertungstag nichts mehr. Es bleibt Platz 3 in der Gesamtwertung der Einsteiger. Ich bin überglücklich, bei meinem ersten Wettbewerb sogar einen Superplatz erflogen zu haben. An dieser Stelle ein großes „Danke schön“ an Jan und Ingo, die als Füssener sehr fair mit mir gekämpft haben und mir auch gute Tipps gegeben haben über die lokalen Besonderheiten. Ich freue mich auf nächstes Jahr und neue Freunde in Füssen.

Zusammenfassung

[Wettergott] Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit anderen Piloten an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Ich bin völlig überrascht und auch begeistert, wie unkompliziert und locker das Fliegen hier praktiziert wird. Hier ist keiner verbissen oder übermotiviert. Großes Lob an alle Teilnehmer und auch an den Veranstalter! Die Aufgaben von Peter sind von den Fortgeschrittene und den Einsteiger gleichermaßen gelobt worden. Sie waren so gestellt, dass jeder gefordert wurde, aber auf keinen Fall überfordert. Die gewissenhaften Vorbereitungen von Alfred, dem Wettermann, haben Peter natürlich auch dabei unterstützt, diese wunderschönen Aufgaben zu stellen. Alfred hat sein Wissen auch allen Piloten eindrucksvoll dargestellt, indem er jeden Tag für uns einen plausiblen und spannenden Vortrag über die aktuellen Entwicklungen im Tageswetter gehalten hat. Immer in deutsch und englisch, da wir auch drei Piloten aus England unter uns hatten.

[Kueche] Nach dem Wetter spielt die Verpflegung auch eine große Rolle für das Wohlbefinden der Teilnehmer. An dieser Stelle möchte ich Helmes und seinem Team ein großes Lob aussprechen. Alle zusammen haben uns täglich neu mit einem frischen Frühstück überrascht, Brotzeit für den Flug vorbereitet und beim Abendessen jeden Tag etwas Leckeres auf dem Grill gezaubert, wie zum Beispiel Gyrosteller mit Pommes Frites oder Schwäbisches Geschnetzeltes mit Spätzle.

Die nicht fliegbaren Tage haben uns Alfred mit einer eindrucksvollen Gruppenarbeit zum Thema „Sicherheit im Flugsport“ und Robert mit einem Vortrag über einen 1000-km-FAI-Dreiecksflug überbrückt.

Mir hat dieser Wettbewerb meinen fliegerischen Horizont deutlich erweitert. Der erste Flug ins untere Engadin, die erste Außenlandung ohne Probleme und der lockere Einstieg in das Wettbewerbsfliegen hat Spaß gemacht und mein Selbstbewusstsein als Pilot gestärkt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die dabei waren.

Andreas