Mathias Münch

Geb. 1967, Wohnort: München
E-Mail: Alpenflugzentrum@mathias-muench.de

PPL C seit: 1997
Flugstunden: 1.000 h
Größte Strecke: 1003 km
735 km (FAI)
OLC-Flüge: 2015 2014 2013 2012 2011 2010
2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003
Flugzeug(e):
DG 800B/18m (MU) D-KHJM
Kestrel H-401 (HG) † D-2197
Astir G-102 (-) D-3778
SPOT-Link

Natürlich mein heiß geliebter 17m-Kestrel, vermutlich der Klassiker für den Alpensegelflug und bis heute das schönste, wohlproportionierteste und eleganteste Flugzeug, das ich kenne. Aber eben auch eine Diva. Ein Kestrel will geflogen werden. Zum zweiten unser FSGU-Club-Astir. Damit habe ich 1999 meinen ersten 500er geflogen und 500km waren bis jetzt jedes Jahr mal drin. Der Reiz ist leicht erklärt: Reinsetzen, Starten, Losfliegen, Spaß haben. Ein Flugzeug, über das man nicht nachdenken muss. Das kann auf Strecke ein unschätzbarer Vorteil sein.

Fliegerische Vorlieben, Stärken, Schwächen
Hm, vielleicht eher, was ich am Fliegen liebe. Es ist das „Alleinsein“ in seiner positiven Form. Wir leben in einer Welt, in der wir immer und ständig mit anderen Menschen kommunizieren, Rücksicht nehmen, auf uns Rücksicht genommen wird. Alles ist Verhandlungssache geworden, für ein Problem wird nicht die „richtige“ Lösung gewählt, sondern die, auf die sich alle einigen können. Sogar unser Umgang mit der Natur ist „Verhandlungssache“: Wenn es kalt ist, drehen wir die Heizung auf, wenn es warm ist, schalten wir die Klimaanlage ein. Wenn es regnet, werden wir nicht nass, sondern „nehmen den Wagen“.

Beim Segelfliegen geht das nicht. Die Natur lässt da nicht mit sich verhandeln. Ob meine Lösung richtig oder falsch war, sagt mir der Höhenmesser, da kann ich so lange diskutieren, wie ich will. Wenn es falsch war, dann war es mein Fehler, und wenn es richtig war, dann habe ich es richtig gemacht. Ich bin niemandem Dank schuldig und ich kann es niemandem in die Schuhe schieben.

Du siehst Wellen und Wolken und Du siehst kein Land.
Da draußen liegt Dein Los allein in Deiner Hand.
Du hast den Funk abgeschaltet, Du brauchst sie nicht mehr,
die echten Heuchler, die falschen Klugen, die blinden Seher.
Du musst nicht mit ihnen um ihre goldnen Kälber tanzen,
egal wie sie sich über Dich das Maul zerfransen.
Niemand steht über Dir, aber auch niemand steht Dir bei,
das ist ein hoher Preis, doch dafür bist Du frei.
Du bist niemands Herr und niemands Untertan…
— Reinhard Mey

Stärken: Eine sehr stark analytische, systematische Vorgehensweise. Lustigerweise liegen meine Hauptstärken, glaube ich, vor dem Flug. Ich habe eine recht glückliche Hand, was die Wettereinschätzung und „strategische“ Streckenwahl vor dem Start angeht. Anekdote nebenbei: Meine „publikumswirksamste“ Aktion war wohl, als ich meinen Flieger von einem proppenvollen Startaufbau an einem angeblichen „Hammertag“ von der ersten Startposition zu Fuß wieder in die Halle geschoben habe. An dem Tag sind zwei oder drei obengeblieben, der Rest hat geklinkt und ist zum Platz abgeglitten.

Schwächen: Eine sehr stark analytische, systematische Vorgehensweise. Ich nutze viele Chancen nicht, sondern will der Natur beweisen, dass meine Einschätzung richtig war. Es ist immer wieder erschreckend, wie selten sie sich von meiner Meinung überzeugen lässt.

Und ein bitteres Motivationsloch am Nachmittag, das mich die Flüge immer wieder ein bis zwei Stunden zu früh beenden lässt. Entweder es läuft gut, dann will ich den schönen Flug nicht mit einem K(r)ampf am Abend verderben. Oder es läuft schlecht, dann sage ich „Das wird sowieso nichts mehr“. In beiden Fällen breche ich den Flug zu früh ab.

Schönster Flug:
Natürlich waren die 800km Flüge beeindruckende, vielleicht auch „schöne“ Flüge, besonders der im Süden mit einem Schnitt von 136km/h und Strecken von über 400km ohne Kreis.

Aber mein „schönster“ Flug ist schon länger her, im Hochsommer 1998, in ziemlich stabiler Luft und recht schwachen Steigwerten. Ich bin langsam, aber wegen der hohen Basis recht komfortabel, nach Zell geflogen und habe an der Schmittenhöhe praktisch den ganzen Bart mit einem Adler zusammen ausgekurbelt. Danach auf der Hauptkammseite im Blauen bei super Sicht vom Großglockner bis zum Großvenediger, dort im Hangsegelflug am Gletscher bis fast zum Venedigergipfel. Damals durfte man das noch, inzwischen ist das eines von den „ganz verbotenen“ Gebieten im Nationalpark Hohe Tauern. Vom Venedigergipfel dann in absolut ruiger Luft im Gleitflug zurück nach Unterwössen. Wenn’s hoch kommt 150km, aber traumhaft schön.

Nächstes Vorhaben/Ziel:
Kurz und schmerzlos: 1000km Jojo, 850km FAI, natürlich ohne Motor.